Ein überzeugender Dreiklang der Lizenzmodelle
Mit der zunehmenden Digitalisierung gewinnt die digitale Ausleihe in Öffentlichen Bibliotheken stetig an Bedeutung. Dabei stellen sich viele Bibliothekar*innen die Frage: Welches Lizenzmodell ist das richtige für unsere Einrichtung?
Unsere Erfahrungen aus der langjährigen Zusammenarbeit mit über 1.000 skandinavischen Bibliotheken zeigen: Es gibt nicht das eine richtige Modell – sondern die beste Kombination. Denn durch einen intelligenten Mix lassen sich die Interessen von Verlagen, Bibliotheken und Nutzer*innen gleichermaßen berücksichtigen.
Bibliothekserlebnis neu gedacht – analog inspiriert, digital umgesetzt
Die digitale Bibliothek orientiert sich am klassischen Bibliotheksbesuch: Nutzer*innen kommen oft wegen eines konkreten Titels – etwa einem Bestseller oder einer Neuerscheinung. Ist dieser nicht verfügbar, entscheiden sich manche für den Kauf, andere warten. Doch häufig lassen sich Nutzer*innen vom vorhandenen Angebot inspirieren und entdecken weitere, interessante Titel – niemand verlässt die Bibliothek ohne Ausleihe.
Genau dieses Erlebnis wollen wir auch digital abbilden. Obwohl digitale Inhalte technisch unbegrenzt kopierbar wären, ist ein uneingeschränkter Zugriff aus marktökonomischen Gründen nicht sinnvoll: Autor*innen, Verlage und Buchhandlungen müssen weiterhin wirtschaftlich arbeiten können. Deshalb braucht es ein geregeltes System, das ein Gleichgewicht zwischen Zugang mittels digitaler Ausleihe und wirtschaftlicher Tragfähigkeit schafft.
Biblio vereint dieses Prinzip in einem dreiteiligen Lizenzmodell, das sich in Skandinavien bewährt hat – und nun im DACH-Raum eingeführt wird.
1. Lizenz-Modelle: Die digitale Entsprechung der klassischen Ausleihe
Verlage stellen Neuerscheinungen und Bestseller häufig in sogenannten Lizenzmodellen zur Verfügung – in Skandinavien variierend, aber dem in DACH verbreiteten und bekannten Prinzip One Copy One User (OCOU) sehr ähnlich. Diese Modelle entsprechen im Wesentlichen der bekannten Logik der physischen Ausleihe.
Für Bibliotheken und Verlage bieten dieses Modelle entscheidende Vorteile:
- Verlage können ihre Inhalte in der umsatzstarken Erstverwertungsphase gezielt steuern.
- Bibliotheken bewahren die Kontrolle über ihre Budgets und können dennoch aktuelle Titel anbieten.
Wichtig dabei: Diese Begrenzung ist zeitlich und mengenmäßig definierbar. Die Erfahrung in Skandinavien zeigt, dass Verlage bereit sind, ihr komplettes Neuerscheinungsangebot zu lizenzieren, wenn Bibliotheken mit flexiblen Laufzeiten und Ausleihgrenzen arbeiten. So entsteht ein dynamisches Angebot – zum Vorteil aller Beteiligten.
2. Klick-Modell (Pay-per-Loan): Sichtbarkeit für die ganze Backlist
Bibliotheken leisten einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarkeit literarischer Vielfalt – gerade im Bereich der Backlist. Viele dieser Titel sind qualitativ hochwertig, ihre Verkaufszahlen stagnieren jedoch oder gehen zurück. Das Pay-per-Loan-Modell bietet hierfür eine attraktive Lösung:
- Nutzer*innen erhalten Zugang zum vollständigen Katalog.
- Bibliotheken zahlen nur für Titel, die tatsächlich ausgeliehen wurden.
- Verlage erzielen zusätzliche Einnahmen über lange Verfügbarkeiten.
Dieses Modell ermöglicht es Bibliotheken, Inhalte über alle Genres hinweg sichtbar zu machen, gezielt zu kuratieren und dauerhaft verfügbar zu halten – ohne Mittel für ungenutzte Lizenzen zu binden. Nutzer*innen finden so nahezu immer den passenden Titel.
Die Herausforderung: Die Nutzung bestimmt die Kosten. Deshalb bietet Biblio LMS umfangreiche Tools zur Budgetsteuerung – darunter:
- Budget-Limitierung, inklusive der Möglichkeit jederzeit nachzusteuern.
- Echtzeit-Einblicke in Nutzung und Budgetauslastung.
- Speziell einstellbare Nutzungsregeln (z. B. Ausleihlimits).
So behalten Bibliothekar*innen jederzeit den Überblick und können ihre Ausgaben aktiv steuern.
3. Kollektionen: Immer etwas zum Mitnehmen – und neue Sichtbarkeit für Verlage
Trotz intelligenter Budgetsteuerung kann es vorkommen, dass das monatliche Klick-Budget ausgeschöpft ist oder eine Nutzerin das persönliche Ausleihlimit erreicht hat. Gerade im digitalen Raum ist es kritisch, wenn Nutzer*innen leer ausgehen – denn die Gefahr ist groß, dass sie nicht zurückkehren.
Die Lösung: Kollektionen.
Dabei handelt es sich um kuratierte Sammlungen ausgewählter Backlist-Titel einzelner Verlage, die Bibliotheken zu einem niedrigen jährlichen Pauschalpreis pro Einwohner*in lizenzieren können.
Diese Kollektionen werden in enger Abstimmung mit den Verlagen zusammengestellt und eröffnen den enthaltenen Titeln einen neuen digitalen Lebenszyklus. Was im Handel oft in den Hintergrund gerät, kann hier gezielt und dauerhaft sichtbar gemacht werden – in einem hochwertigen, bibliothekarischen Kontext.
Vorteile für Bibliotheken und ihre Nutzer*innen:
• Immer verfügbar: Keine Wartezeiten, keine Limits
• Unabhängig vom Ausleihbudget: Zusätzliche Inhalte, auch bei hoher Auslastung
• Qualitätsgesichert: Kuratiert aus den Backlists etablierter Verlagspartner
• Verlässlicher Grundbestand an attraktiven Titeln
So stellen Bibliotheken sicher, dass niemand die digitale Bibliothek ohne Lektüre verlässt, und Verlage profitieren von einer nachhaltigen Zweitverwertung ihrer Inhalte – abseits der kurzfristigen Marktmechanik.
Unser Fazit: Die Kombination macht den Unterschied
Die Kombination aus OCOU-Lizenzen, Klick-Modellen (Pay Per Loan) und Kollektionen hat sich als tragfähiger Weg für die digitale Bibliotheksentwicklung etabliert – insbesondere in Skandinavien, wo Biblio heute Marktführer ist.
Das Klick-Modell ist international bekannt und etabliert. Das Konzept der Kollektionen ist innovativer, aber bereits in Dänemark und Schweden fest verankert – und wird dort von Bibliotheken und Verlagen gleichermaßen geschätzt.
Auch für Verlage ergeben sich klare Vorteile:
- Sie können Backlist-Titel erneut sichtbar machen und damit aktiv zur Nutzung bringen.
- Die Auswahl erfolgt in Abstimmung mit Biblio, was Qualität und Relevanz sichert.
- Über Biblio entsteht eine neue Verwertungsebene, unabhängig vom klassischen Einzelverkauf.
Wir sind überzeugt: Diese Modelle haben auch im deutschsprachigen Raum großes Potenzial. Sie schaffen eine nachhaltige, faire und flexible Struktur für digitale Ausleihe – für Bibliotheken, Nutzer*innen und Verlage gleichermaßen.
Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen neue Wege zu gehen.
Treffen Sie uns auf dem 9. Bibliothekskongress in Bremen im Juni 2025!
Standnummer: B50